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Newsletter 03/2010

Flexibilität

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: „Eine im Sturm stehende Birke. Der Sturm zerrt, stößt und wendet rohe Gewalt an. Die Birke nimmt es hin, biegt sich und lässt den Sturm austoben. Im schwächer werdenden Sturm richtet sich die Birke wieder zu ihrer vollen Höhe auf. Schließlich steht sie wieder kerzengerade im Sonnenlicht und erfreut die ganze Umgebung.“

Ich glaube, dass jeder von uns dazu ein Bild aufrufen konnte. Diese Metapher soll mich zu der viel gepriesenen, ein Leben lang geforderten, Flexibilität führen. Erfüllen wir tatsächlich diese Anforderungen. Grundlagen der Flexibilität sind Neugierde, Wissensdurst und Risikobereitschaft.

Dazu möchte ich noch ein Bild aus der uns umgebenden Natur aufrufen: „Stellen Sie sich eine unter der Last des Windes geborstene Fichte vor. Ihr langer schlanker Stamm liegt einsam und verlassen auf einer Lichtung. Die Wurzeln, zum Teil noch mit Erdreich bedeckt, ragen in alle Richtungen.“

Wie kommt es denn?
Eine Erklärung ist schnell bei der Hand. Die Fichte ist ein schnellwachsender Baum, dafür wurde sie gepflanzt. Die Umweltverschmutzung hat unsere Luft mit jeder Menge Kohlendioxid angereichert, welches die Fichten als Nährstoffe benötigen. Früher bezogen die Fichten dieses Kohlendioxid aus dem Boden. Dadurch mussten die Wurzeln tief ins Erdreich reichen. Dadurch war die Stabilität gegeben. Heute muss die Fichte nicht mehr in die Tiefe, also tut sie es auch nicht, weil die benötigten Nährstoffe aus der Luft gezogen werden können. Dadurch fehlt die Stabilität und bereits leichte Stürme können den Baum zu Fall bringen. Dann kam auch noch der Borkenkäfer ins Spiel. Ein Schädling, der sich in den Monokulturen der Fichten sichtlich wohl fühlt. Er hat sich auf Fichten spezialisiert.

Die Forstwirte reagieren mit Kahlschlag und so entstehen Lichtungen, welche nun die Solitärfichten nicht mehr schützen.

Die Fichten haben auf die zunächst positiven Umweltbedingungen reagiert. Sie nehmen die Nährstoffe durch die Luft auf und sparen sich so die Anstrengungen des Tiefwurzelns. Dann haben sie der Käfer und die Forstwirte isoliert. Aus dem Baum in der schützenden Gemeinschaft wurde ein scheinbar starker, gleichzeitig aber einsamer Solitärbaum. Durch diese Isolation wurde er angreifbar und muss alleine den Unbilden des Wetters trotzen.
Hat uns der Erfolg träge gemacht? Schöpfen wir unsere Nahrung aus unseren Ressourcen, brauchen wir sie auf? Haben wir uns als UnternehmerIn zum einsamen Solitär gemacht? Machen wir alles, wie wir es bereits vor Jahren gemacht haben?
Spätestens seit Prof. Dr. Häusl wissen wir, dass sich unsere Biochemie im Laufe unseres Lebens verändert. Während Östrogen, Testosteron und Dopamin unsere Jugend bestimmen, ist es Cortisol, das unseren Sommer, den Herbst und den Winter prägen.

Damit werden wir biochemisch gesehen mit zunehmenden Alter immer vorsichtiger, zurückhaltender und sicherheitsbetonter – weil es ja auf das biologische Ende zugeht.

Statistisch werden wir älter wie die Generationen vor uns. Das lässt sich an folgenden medizinischen Indikatoren ablesen:

Immer mehr Menschen sterben an Krebs, leiden an Alzheimer und Altersdemenz. Das sind in der Häufung alles alterspezifische Krankheiten.

Die Information birgt eine große Gefahr. Wir könnten uns sagen, dass wir gar nichts dafür können, weil es doch die Gene und die Biochemie sind und gegen die ist nun einmal kein Kraut gewachsen. Damit ist sehr schnell ein Schuldiger gefunden. Damit geht es uns im Ergebnis zwar nicht besser, aber wir sind der Verpflichtung enthoben, aktiv selbst etwas dagegen zu unternehmen.
Statistisch gesehen leben aktive Kirchengänger länger gesund. Menschen, die ein Instrument spielen, leiden weniger häufig an Alzheimer. Menschen mit regelmäßiger Bewegung, leben länger. Menschen mit gesünderer Ernährung, sind schlanker und leiden weniger häufig an Diabetes.

Was können wir alle dagegen tun?
Zunächst sollten wir uns aufschreiben, was wir täglich tun. Das alte gute Tagebuch könnte eine Renaissance erfahren. Bereits nach vier Wochen können Sie in die Analyse gehen. Bewerten Sie alle Tätigkeiten nach folgendem Schema:
Vergeben Sie Punkte. Für jede Tätigkeit, die Sie schon mindestens 10 Mal gemacht haben, eine 0. Für jede Tätigkeit, die Sie zum ersten Mal gemacht haben, 10 Punkte. Wenn Sie am Monatsende 50 Punkte zusammen bekommen haben, so sind Sie auf einem guten Weg. Wenn nicht, so sollten Sie aufmerksam werden. Nachdem der durchschnittliche Monat 30 Tage hat, so wäre täglich etwas ganz neues möglich und somit 300 Punkte.
Aber jeden Tag etwas neues zu machen, würde uns sehr schnell überfordern, weil wir dann nicht mehr aus dem neuen lernen können. Daher sind 5 neue Erfahrungen pro Monat ein ganz guter Anfang.
Es gibt sehr viele Friseure, die sich als Weiterbildungsjunkies betätigen.

Nur damit wir uns richtig verstehen, fachliches Wissen in einem hohen Grade ist Verpflichtung.

Auch die kontinuierliche Aktualisierung ist sinnvoll. Aber damit bewegen sich diese Menschen nur auf einem Hohlweg. Sie sind voll fokussiert auf das Aktuelle, ohne aber über die Böschung zu sehen. Was passiert in anderen Branchen, welche Tendenzen prägen andere Bereiche?

Auch muss es nicht immer eine fachliche Weiterbildung sein. Lernen Sie ein Instrument, machen Sie einen Töpferkurs, lernen Sie Tanzen usw.. Alles was Ihre Kreativität und Konzentration fordert, fördert gleichzeitig auch Ihre geistigen Fähigkeiten und bringt Sie auf den „Flexibilitätskurs“.
Brauchen wir überhaupt die Flexibilität bis ins hohe Alter?

Aber sicher doch, weil sich um uns alles verändert und zwar rasend schnell. Vor zehn Jahren war der Termin beim Friseur die Regel, heute wird er zunehmend zur Ausnahme. Vor zehn Jahren haben wir unsere Urlaube im Reisebüro geplant, heute buchen wir im Internet. Vor fünf Jahren war ein Handy eine Möglichkeit, um mobil zu telefonieren. Heute kann man mit einem Handy auch noch telefonieren. Vor fünf Jahren sagte uns die Straßenkarte, wie wir ans Ziel gelangen. Heute tut dies eine mehr oder minder liebliche Stimme aus dem Navi. Beziehungen werden heute im Internet geknüpft, Bloggs ersetzen den Stammtisch, Künstler werden heute durch youtube berühmt und Wikipedia sammelt das Wissen der Welt.

Das Leben wird virtuell und löst sich von der uns bekannten Realität. Es geht auch nicht darum, ob uns diese Entwicklung gefällt. Es geht nur darum, ob wir dabei sind, wenn die Entwicklung in die nächste Stufe geht. Übrigens! Diese Virtualisierung birgt für uns mächtige Chancen. Das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten macht einsam. Nach wie vor ist der Mensch von den Genen her ein Herdentier. Er sucht die körperliche Nähe zu anderen Menschen und dann kommen wir ins Spiel. Als Friseure bieten wir diese Plattform. Wenn wir über die Veränderungen unserer Zeit sprechen, so sollten wir uns auch mit den neuen Chancen beschäftigen. Warum schaffen Sie sich nicht über Stayfriend oder Facebook eine neue Gemeinde? Machen Sie über das Internet von sich Reden.

Die Möglichkeiten sind vielfältig und kaum zu begreifen, aber sie liegen vor uns. Es werden wieder die Flexiblen sein, die Chancen erkennen und nutzen. Meine Bitte wäre es, dass wir alle dazu gehören. Trainieren Sie Ihre Flexibilität und seien Sie mutig. Trauen Sie sich etwas ganz Neues zu tun – es sollte anfänglich allerdings auch nichts existenziell gefährdendes sein. Ziel ist es zu lernen, jeden Tag etwas neues, spannendes, verrücktes oder auch nur entspannendes zu tun. Seien Sie sich gewahr, dass man Sie beobachtet und wenn es funktioniert, werden Ihnen viele folgen (auch Ihre Mitarbeiter!).

Frei nach dem bekannten Gospel:
„Oh, when the Saints go marching in, Oh when the Saints go marching in, oh, I want to be in that number when the Saints go marching in.”

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