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Newsletter 06/2010

Das Phänomen LENA von Peter Hofmann

Sie atmet falsch und zappelt auf der Bühne. Trotzdem wird sie von Millionen Europäern zur Siegerin des Eurovision Song Contests gewählt.

Lena begeistert mit ihrer unbekümmerten Art das Publikum. Jetzt muss sie sich weiterentwickeln, ohne ihre Natürlichkeit zu verlieren.

Viel Persönlichkeit, wenig Gesangstechnik: Nicht nur Lena sei damit erfolgreich, sondern auch Stars wie Mick Jagger und Joe Cocker, meint Prof. Hubert Wandjo. Er ist Leiter des Studiengangs Musikbusiness an der Mannheimer Popakademie:

„Erfolge in der Popmusik werden viel stärker geprägt durch besondere Persönlichkeitsmerkmale.“

Und deswegen hat sich der Professor nicht gewundert, dass Lena mit ihrer eigenwilligen Performance gewinnen konnte. Ihr Erfolgsrezept laut Wandjo: „Frische, Unbekümmertheit und ein Stückchen Verrücktheit.“

Sie kam, sang und siegte
Mit ihrem Lied ‚Satellite‘ hat Lena es geschafft, sich innerhalb von nur drei Minuten in die Herzen von Millionen Europäern zu singen. „It’s the singer, not the song“ – mit diesem Zitat von Frank Sinatra kommentiert der Musikbusiness-Professor das Phänomen. Er glaubt also, der Interpret und nicht das Lied sei ausschlaggebend gewesen. Lena hätte auch mit „Bee“ oder „Love me“ gewonnen, den anderen beiden Songs, die extra für den Eurovision Song Contest geschrieben wurden.
(Quelle: swr.de)

Peter Hofmann kommentiert: Was können wir als Unternehmer damit anfangen?

In diesem Artikel steckt eine gehörige Portion Lebensweisheit. Die Persönlichkeit zählt für den Betrachter oder den Konsumenten mehr wie die fachliche Leistung. Denn es waren sicher bessere Sänger und Sängerinnen auf dem Contest. Trotzdem konnten sie nicht gewinnen.

Das „Paket“ Lena hat sie alle ausgestochen. Betrachten wir das Paket genauer:
Eine junge Frau mit absolut durchschnittlichen Körpermaßen für die heutige Jugend. Blässe statt Sonnenbräune. Seitenscheitel im schwarzen Haar und ein paar Locken in der sonst glatten Frisur. Die Augen betont, aber sonst eher zurückhaltend geschminkt. Ein Tattoo im Innenbereich des Oberarmes. Schwarze Klamotten statt Glitter und Glimmer. Natürliche Bewegungen statt einer aufwendigen Choreografie.

Jede einzelne Position ist für sich nichts außergewöhnliches und könnte täglich auf irgend einem öffentlichen Platz gesehen werden. Dort würde es auch nicht auffallen. Aber dieser Anblick auf einer weltweit übertragenen Showbühne fällt aus dem Rahmen.

Als Unternehmer/innen sollten wir davon lernen. Wir sollten uns als Gesamtpaket wieder einmal neutral betrachten. Fallen wir auf unserer Showbühne aus dem Rahmen, oder treten wir wie die anderen Sänger und Sängerinnen auf?

Der zweite Aspekt ist der Erfolg trotz fachlicher Mängel. Sie hat gewonnen, obwohl es bessere Sänger und Sängerinnen (laut Presse – nicht als meine Meinung werten – das vermag ich wirklich nicht zu beurteilen!) gegeben hat.
Ist es dann noch ausreichend, wenn wir unsere Mitarbeiter nur fachlich weiterbilden? Ich wage zu behaupten, dass unsere Mandanten im Weiterbildungsbereich Hervorragendes leisten. Aber ist das ausreichend?
Ich denke NEIN!
Es geht offensichtlich um die Persönlichkeit der Mitarbeiter. Die Frage lautet dann aber, wie kann eine Persönlichkeit gefördert und entwickelt werden?
Ich glaube, dass eine Persönlichkeit nicht geschaffen werden kann, sie entwickelt sich im Laufe der Zeit. Ich denke aber auch, dass erfolgreiche Verhaltensweisen trainiert werden können, die den Mitarbeitern Sicherheit geben. Die Grundlage für eine anziehende Persönlichkeit ist immer Selbstsicherheit.
Daher ist der Ansatz der fachlichen Weiterbildung richtig, denn er gibt Sicherheit.
Wenn wir dann noch das Team als Ganzes entwickeln wird der Einzelne auch hier Sicherheit gewinnen können. Es geht letztlich um die Förderung der sozialen Kompetenz. Folgende Kenntnisse und Fähigkeiten können gefördert werden:

Im Umgang mit sich selbst:
- Selbstwertgefühl
- Selbstvertrauen
- Urvertrauen
- Wertschätzung
- Selbstwirksamkeit
- Selbstbeobachtung
- Eigenverantwortung
- Selbstdisziplin

Im Umgang mit anderen:
- Achtung
- Anerkennung
- Empathie/ Perspektivenübernahme (Mitgefühl bzw. Einfühlungsvermögen)
- Kompromissfähigkeit
- Recht durchsetzen können
- Menschenkenntnis
- Kritikfähigkeit
- Wahrnehmung
- Toleranz
- Respekt
- Sprachkompetenz
- Interkulturelle Kompetenz

In Bezug auf Zusammenarbeit:
- Teamfähigkeit
- Kooperation
- Motivation
- Konfliktfähigkeit
- Kommunikationsfähigkeit

Führungsqualitäten:
- Verantwortung
- Fleiß
- Flexibilität
- Großmut
- Härte
- Konsequenz
- Vorbildfunktion

Im Allgemeinen:
- Emotionale Intelligenz
- Engagement

Ich gebe zu, dass es ein ganz schönes „Brett“ an Aufgaben ist. Letztlich aber ist es eine Möglichkeit, die eigenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen.

Schließlich kann uns Lena auch einen weiteren Nutzen bringen. Sie bringt die „Nation“ in einen guten Zustand. Frei nach dem Motto: „Wir sind Papst“. Daher sollten wir diesen Hype mitnehmen und weiter positiv verstärken. Wir müssen nicht zu Lena-Fans werden, aber wir sollten die nutzen.
Hängen Sie ein Poster ins Fenster, Aufkleber an die Spiegel oder schreiben Sie mit Lippenstift die Botschaft – Lena, we love you. Sie werden sehen, dass die Kunden reagieren.

Aber bitte machen Sie schnell mit, denn die Begeisterung wird wieder sehr schnell nachlassen. Wir können maximal zwei Monate damit arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich Lena von dieser Stelle viel Erfolg und Ihnen viel Spaß mit den Erkenntnissen.
Und immer daran denken: „Wir sind Lena.“

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